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Robert Schumanns Krankheit blieb ein Rätsel. Seine Isolation nicht.
Robert Schumann komponierte einige seiner größten Werke in wenigen Wochen.
Wenige Jahre später konnte er sich kaum noch verständlich ausdrücken.
Dazwischen liegt eine der rätselhaftesten Krankengeschichten der Musikgeschichte.
Eine Diagnose, die bis heute umstritten ist.
Im Februar 1854 versuchte Schumann, sich in den Rhein zu stürzen. Kurz danach ließ er sich freiwillig in die private Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn einweisen. Im Aufnahmebuch der Klinik notierten die Ärzte „Melancholie mit Wahn". Später fügte eine unbekannte Hand „Paralysie" hinzu.
Nach seinem Tod 1856 deutete die Obduktion auf eine unvollständige Lähmung hin – vermutlich Folge einer unbehandelten Syphilis. Andere Forscher widersprechen dem. Der Kölner Psychiater U.H. Peters wertete Jahrzehnte später hunderte bislang unbekannte Quellen aus und kam zu einem ganz anderen Schluss: Alkoholismus, ein viertägiges Delirium, das die Ärzte damals als Wahnsinn fehldeuteten. Wieder andere Forscher favorisieren psychische Erklärungsmodelle.
Die ehrliche Antwort: Niemand weiß es genau. Und genau das macht Schumanns Fall so lehrreich. Nicht, weil wir am Ende doch noch die richtige Schublade finden. Sondern weil er zeigt, wie schnell aus Unsicherheit eine vermeintlich sichere Erzählung wird.
Was die Krankenakten zeigen
Was in den täglichen Aufzeichnungen der behandelnden Ärzte Richarz und Peters dagegen eindeutig dokumentiert ist: wie Schumann behandelt wurde.
Die Klinik folgte offiziell dem reformpsychiatrischen Prinzip „no-restraint" – dem Verzicht auf mechanischen Zwang. Trotzdem wurde Schumann mindestens einmal in eine Zwangsjacke gesteckt. Sein Kontakt zu Frau und Kindern wurde ausgesetzt, um ihn zu beruhigen. Erst wenn er selbst danach verlangte, sollte er ihn zurückbekommen. Bei starker Erregung nahm man ihm zeitweise Klavier, Noten und Bücher weg. Medikamente, die er verweigerte, mischte man ihm heimlich ins Essen.
Neun Monate lang, von September 1854 bis Mai 1855, hatte Schumann wieder aktiven Kontakt nach draußen. Ausgelöst durch einen Brief seiner Frau Clara, den die Ärzte selbst angeregt hatten, um einen Wahn zu durchbrechen. In dieser Zeit schrieb er rund 25 Briefe, komponierte, korrespondierte mit Brahms und Verlegern. Am 11. Januar 1855 besuchte ihn Brahms zum ersten Mal.
Danach kippte es. Ab Mai 1855 zog sich Schumann zurück, sprach kaum noch, komponierte nur noch selten. Joseph von Wasielewski, der ihn im Sommer 1855 am Klavier hörte, beschrieb sein Spiel wie das einer Maschine, deren Mechanismus zerstört ist. Am 1. Mai 1856 wurde letztmals notiert, dass er Klavier spielte. Zwei Monate später starb er.
Was wir heute wissen
Wir können nicht mehr klären, welche Diagnose 1854 die richtige gewesen wäre. Was wir aber sehr wohl beurteilen können: Isolation, entzogene Bindung und die Trennung von allem, was ihm noch Halt gab, haben seinen Zustand mit ziemlicher Sicherheit nicht verbessert.
Heute wissen wir mehr. Nicht Rückzug hilft, sondern Bindung. Nicht Wegsperren, sondern Teilhabe. Stabilität entsteht nicht durch Ruhigstellung, sondern durch Beziehung.
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Ich kenne Phasen, in denen alles zu viel wird. Auch Phasen, in denen alles möglich scheint. Anders als bei Schumann wurde daraus bei mir kein Verlust, sondern neue Kraft. Allerdings: Ohne sorgende Angehörige könnte ich das heute nicht schreiben.
Die Fahrt geht weiter.